Damit Unternehmen immer besser werden: Der Blick in die Zukunft

Sowohl Scaled Agile Framework® (SAFe®) als auch Shared LeaderShift© liefern wichtige Hinweise und Rollenbeschreibungen, mit denen sich Unternehmen neu strukturieren und ihre Zukunftsfähigkeit erarbeiten und immer weiter ausbauen können. Nachdem es in den vorangegangenen Teilen des Gesprächs zwischen Barbara Wietasch (BWI) und Werner Siedl (WSI) verstärkt und die Anwendung ging, kommen wir in diesem Beitrag zum Abschluss der Interviewreihe. Im Folgenden geht es unter anderem um die kontinuierliche Weiterentwicklung von SAFe® selbst, warum und wie Weiterbildung jede einzelne Person in jedem Unternehmen betrifft und auf welcher Grundlage die Zukunftsfähigkeit eines jeden Unternehmens aufbauen muss.

Um mehr über die Frameworks selbst zu erfahren, lesen Sie auch vorangegangenen Teile des Interviews:

Anmerkung der TCI-Redaktion: Das Interview führten Barbara Wietasch (TCI Partner) und Werner Siedl (Managing Partner der TCI) und wurde ursprünglich als Spotlight bei „Führung Neu Denken: Der Shared LeaderShift© Podcast für Unternehmen im Wandel“ veröffentlicht. Um das Original-Interview anzuhören, finden Sie den Stream hier auf SharedLeadershift.com.

Wie SAFe® Expertise aus der ganzen Welt vereint – Interview mit Barbara Wietasch und Werner Siedl

Barbara Wietasch: Kommen wir zu einem kleinen Ausblick: Werner, was glaubst Du, in welche Richtung sich SAFe® weiterentwickeln wird? Du hast bereits erwähnt, dass es jedes Jahr Neuerungen gibt und immer wieder Elemente angepasst werden, zum Beispiel der Fokus bei der Kundenperspektive durch Design Thinking oder auch Customer Journeys. Was glaubst Du, wie die Weiterentwicklung in den kommenden Jahren aussehen wird, auch in agiler Hinsicht?

Werner Siedl: Das Scaled Agile Framework® ist schon jetzt sehr, sehr umfangreich. Die Entwicklung war in den letzten Jahren immer so angelegt, dass spezifische Themen detailliert ausgearbeitet worden sind. Beispielsweise vor zwei Jahren war das Thema DevOps, also Development und Operation und wie sich hier die Zusammenarbeit gestaltet. Das mag einfach klingen, aber wenn sich dann rund 20 Leute sechs Monate lang mit diesem Thema beschäftigen und genau hinschauen, wie man das Ganze optimieren kann und dabei weltweit Firmen integrieren, dann kommen am Ende durchaus Vorschläge heraus, bei denen man nur sagen kann: Wow. Das ist schon richtig durchdacht.

An dieser Stelle muss man auch bedenken, dass SAFe® Weltmarktführer sind in all diesen Themen, und dementsprechend immer mehr stark wachsen, da sie eine hohe Anziehungskraft haben auf die weltweiten Expert*innen zu den Themenbereichen. Zum Beispiel haben sie letztes Jahr speziell daran gearbeitet, Change-Elemente zu integrieren. Sie arbeiten auch mit Don Reinertsen aus, welche Lean-Aspekte wie umgesetzt werden können. Das heißt, sie arbeiten immer mit Expert*innen aus der ganzen Welt zusammen, die sie in die Weiterentwicklung integrieren, und so erhalten immer neue Themen Einzug ins Framework.

Weiterbildung: Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein

WSI: Gute Beispiele für die vielen neuen Themen sind der Bereich Mitarbeitende und Führung oder auch Organisationsagilität. Das waren neue Elemente, die im 2020-Update mit SAFe® 5.0 eingeführt worden sind. Auch das Thema duales Betriebssystem wird natürlich weiterentwickelt, oder auch die ganzen kaufmännischen Themen, beispielsweise im Hinblick auf die Budgetierung. Wenn an diesem Punkt die Struktur starr ist, dann kann es auch nicht funktionieren; das heißt, dass auch das komplette kaufmännische Wesen in das Portfolio aufgenommen und in eine Agilitätsform und in das lean-agile Portfolio Management gebracht werden muss. Das ist also auch definitiv ein Thema, das sich weiterentwickeln wird.

Ich persönlich bin gespannt, welche Neuerungen als nächstes kommen werden; letztendlich kann man es nicht voraussagen. Aber es wird für jeden etwas dabei sein, in welchem Bereich auch immer. Genau genommen bin ich jedes Mal auch selbst überrascht, wenn eine neue SAFe®-Version veröffentlicht wird, wie diese dann aussieht. Natürlich kommt jedes Jahr eine neue Version heraus, und das bedeutet selbstverständlich für uns agile Coaches dann immer auch, dass eine wichtige Lernphase beginnt. Ich würde schätzen, dass wir im Jahr fünf Tage mindestens (!) in Weiterbildungen investieren müssen, um auf dem aktuellen Stand zu sein.

Dieser Lernumfang betrifft ja nicht nur uns als Beratende, sondern eigentlich jede*n Einzelne*n bei den Mitarbeitenden in den Unternehmen, und auch jede Führungskraft sollte das auf der Agenda haben: Ein kontinuierliches Weiterlernen gehört dazu und es dauert eben Zeit, um zu lernen. Mein Leitspruch dazu ist immer: Wer aufhört, besser zu werden, hört auf, gut zu sein. Für mich ist das etwas sehr Schönes, weil ich einen inneren Antrieb habe und sehr neugierig bin. Ich lerne immer relativ viel und ich merke immer wieder, wie wichtig das ist – weil das einfach ansteckt. Meiner Meinung nach ist das ein wesentlicher Aspekt in der ganzen Kunst, ein geeignetes Umfeld zu schaffen. Und dies schafft Ihr ja auch mit dem Shared LeaderShift©-Ansatz: Ein Umfeld, in dem die Leute wirklich die Freude haben und ihr Potenzial leben, und dann auch die Chancen haben, sich weiterzuentwickeln und immer wieder etwas Neues anzugehen. Das brauchen wir.

Zukunftsaussichten der Unternehmen: Mitarbeitende spielen essenzielle Rolle

BWI: Genau – und das bringt uns direkt zu unserem Warum. Oder anders formuliert: Warum sollten wir die Welt und die Arbeitsplätze besser machen, sodass Menschen gern hingehen und gerne ihren Beitrag leisten? Das ist natürlich immer die Kernfrage, um die es geht. Stellt SAFe® auch diese Purpose-Frage? Und wie ist das dann mit der Frage nach dem Warum bei SAFe® auch in Verbindung mit dem Blick in die Zukunft, was ist Deine Einschätzung?

WSI: Das ist eine gute Frage, in welche Richtung sich das entwickelt. Das grundlegende Thema ist ja Kundenorientierung, aber ich glaube, dass jede*r an diesem Punkt unterschiedliche Philosophien hat. Hier kann ich natürlich nicht für SAFe® sprechen, aber meine persönliche Meinung ist, dass die Entwicklung des Purpose essenziell ist für eine ganzheitliche Business-Agilität. Darüber haben wir jetzt nicht gesprochen, aber im Wesentlichen geht es natürlich ums Überleben für jedes einzelne Unternehmen. Wenn sogar Jeff Bezos sagt, dass Amazon mit Sicherheit irgendwann einmal nicht mehr existieren wird – einfach, weil sich die Welt weiterentwickelt – was heißt das dann für die meisten Firmen? Sich mit all dem auseinanderzusetzen und herauszufinden: Was muss ich machen, um zu überleben, dass meine Firma oder mein Unternehmen floriert, dass ich die Arbeitsplätze für meine Mitarbeitenden erhalten kann? Das ist auch Teil meiner persönlichen Motivation, schon allein deswegen, weil ich selbst sehr viele Restrukturierungen in meiner Zeit bei Siemens erlebt habe.

Dazu gehört auch, die Leute entsprechend vorzubereiten, damit sie langfristig einen Job haben, und für eine Übereinstimmung mit den Unternehmen zu sorgen. Das ist immer ein Grundgedanke, der dahintersteckt. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass mir die Kunden- und Zukunftsorientierung und dieser grundlegende Sinn für die Mitarbeitenden bei Eurem Ansatz wesentlich besser gefällt (lacht). Dieser ist mehr mitarbeiterorientiert, und meine Leitlinie ist eben: Geht es den Mitarbeitenden gut, geht es auch der Firma gut. Wenn hingegen nur die Zahlen gut sind und es den Mitarbeitenden nicht gut geht, dann ist das kein nachhaltiges Konzept. Es ist wirklich essenziell, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeitenden aufblühen, und das prägt auch die Firma insgesamt. Denn nur zufriedene und begeisterte Mitarbeitende können auch einen Endkunden oder eine -kundin begeistern. Ohne diese Grundlage wird es schwierig.

BWI: Dem kann ich nur zustimmen. Werner, vielen, vielen Dank für unser Gespräch und diese wunderbare Abrundung zum Schluss, und natürlich für diese Klammer zwischen Shared LeaderShift© und SAFe®. Danke Dir für das tolle Gespräch! Damit der Wandel in den Organisationen gelingt, hoffen wir, dass wir damit ein paar Denkhäppchen geliefert und weitergeholfen haben, diese Ideen auch in Euren Köpfen, in Ihren Köpfen weiterzuspinnen. Vielen, vielen Dank.

WSI: Barbara, sehr gerne. Vielen Dank, dass Du mich eingeladen hast und danke für das Gespräch.

Weiterlesen und neue Denkanstöße erhalten

Das war der abschließende Teil Vier des Interviews von Barbara Wietasch und Werner Siedl. Lesen Sie gerne weiter, hier finden Sie einige Empfehlungen dazu:

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(Coverbild: © ASDF | Adobe Stock)

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Werner Siedl

Werner Siedl

Werner Siedl ist seit 2014 TCI Partner und blickt auf umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen interner und externer Kommunikation sowie Zusammenarbeit zurück. Als Berater bereitet er seine Kunden auf den digitalen Tsunami vor, damit sie diesem gerüstet gegenüber stehen und ihre Ziele erreichen.

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