Die nachhaltige Transformation wertschaffend gestalten

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Dr. Wolfram Heger

3. Mai 2024

Nachhaltigkeit ist bei den Unternehmen angekommen! Wirklich? Ja, denn sie wissen um Handlungsdruck zu Klimawandel, Menschenrechte & Co. Und Nein: viele Unternehmen zögern und lassen die Integration von Nachhaltigkeit in die Geschäftsstrategie vermissen. Dabei geht es letztlich um die nachhaltige (langfristige) Existenz. Hierfür schafft ein wirklich strategischer Nachhaltigkeitsansatz belegbar finanziellen Mehrwert. Und man beachte umgekehrt: Kein oder nur auf Compliance orientiertes Nachhaltigkeitsmanagement vernichtet Geld. Daher ist JETZT der richtige Zeitpunkt, die nachhaltige Transformation anzugehen – strategisch und wertschaffend!

Nachhaltigkeit – Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg

Nachhaltigkeit für den wirtschaftlichen Erfolg zu nutzen – dafür sprechen die stetig steigenden Erwartungen an Unternehmen von Kunden, Kapitalgebern, Regierungen und der Zivilgesellschaft. Doch viele Unternehmen haben, auch aufgrund der hohen Komplexität bis dato noch keine strategische Antwort auf die sie selbst betreffenden Nachhaltigkeitsfragen. Daher brauchen Unternehmen, die nachhaltig erfolgreich sein wollen, „JETZT!“ ein professionelles Managementsystem, um systematisch Nachhaltigkeitschancen zu nutzen und damit verbundene Risiken zu vermeiden.

Nachhaltigkeit ganzheitlich verstehen – Komplexität reduzieren

Nachhaltigkeit ist in seiner gesamten thematischen Breite hochkomplex. Umfasst werden erstens vielfältige Umweltaspekte – wie Klimawandel, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität etc. Zweitens gehören hierzu Gesellschaftsthemen, wie die eigene Belegschaft oder Menschenrechte in Geschäftsbereich und Lieferkette. Für ein Management der wesentlichen umwelt- und gesellschaftsbezogenen Nachhaltigkeitsaspekte im Geschäftsmodell braucht es drittens eine solide Verankerung in der Unternehmensführung – mit Strategie, passender Führungskultur und Kommunikation. Alle drei Bereiche, welche der Kapitalmarkt mit ESG (Environment, Social und Governance) umschreibt, sind aufgrund ihrer Interdependenzen dabei ganzheitlich zu betrachten (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Nachhaltigkeit ganzheitlich verstehen und managen

Für die operative Umsetzung existieren vielfältige methodische sowie nationale und europäische regulatorische Vorgaben. Beispielhaft genannt seien hier das Greenhouse Gas Protocol zur Erhebung des CO2-Fußabruckes, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder die europäische „Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)“ als Berichtsanforderung. Diese sind, je nach Unternehmensgröße verpflichtend, einzuhalten.

Anstatt jedoch in immer kürzeren Zyklen für neue Nachhaltigkeitsaspekt die sprichwörtliche „Sau durchs Dorf (Unternehmen) zu treiben“, stiftet erst eine strukturiert strategische Herangehensweise wirklichen Mehrwert. Ein Ansatz, der Regeleinhaltung (Compliance) sicherstellt… aber vor allem Auswirkungen versteht, Chancen für das Unternehmen nutzt und Risiken vermeidet.  

Compliance ist Pflicht – Mehrwert entsteht durch strategisch und konsistentes Management

Studien belegen, dass Unternehmen mit einer fokussierten, auf das Geschäftsmodell bezogenen Nachhaltigkeitsstrategie tatsächlich eine doppelte Dividende erzielen – eine finanzielle und eine und nachhaltige (vgl. Positive Imapcts (2023)). Hierfür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Unternehmen haben eine klare Festlegung ihrer Nachhaltigkeitsambition als Bestandteil der (operativen) Geschäftsstrategie. Diese muss zum Geschäftsmodell des Unternehmens passen.
  2. Und: Sie benötigen ein Managementsystem, welches konsistent und glaubwürdig auf die bewusst gewählte Nachhaltigkeitsambition ausgerichtet ist.

Nur wenn beides zusammenspielt, wird besagte doppelte Dividende erzielt. Denn ansonsten betreibt das Unternehmen teuren, ungenutzten und nicht zur Strategie passenden Aufwand. Geld wird verschwendet. Oder auch nicht besser: die selbst-deklarierte hohe Ambition wird nicht durch geeignete Initiativen untermauert – es wird Greenwashing betrieben.

Start: Entscheidung über die zur Geschäftsstrategie passende Nachhaltigkeitsambition

Daher ist nach einer Bestandsaufnahme über relevante Anforderungen eine Entscheidung über die richtige Nachhaltigkeitsambition nötig (siehe Abb. 2). Ist es ausreichend, „nur“ die beschlossenen gesetzliche Ge- und Verbote einzuhalten? Oder adressiert das Unternehmen Nachhaltigkeit nur wenn z.B. Kunden dies fordern (Stakeholder orientierte Ambition)? Ist das Unternehmen in seiner Ambition pragmatisch und realisiert nachhaltigkeitsbedingte Kosten- oder Ertragsvorteile? Oder sind gar strategische Entscheidungen wertschaffend – zum Beispiel eine Anpassung des Produktportfolios? Oder eignet sich Nachhaltigkeit sogar als Leitstern des Geschäfts? Jede dieser aufeinander aufbauenden und bewusst gewählten Ambition impliziert eine individuelle Nachhaltigkeitsstrategie, welche das Thema mehr oder weniger aufwendig im Unternehmen integriert.

Abb. 2: Fünf Ambitionsstufen zur Strategieintegration von Nachhaltigkeit (Quelle: Positive Impact, 2024)

Schritte zur nachhaltigen Unternehmenstransformation

Mit einer bewusst gewählten Ambition wird es dann möglich, die nachhaltige Transformation des Unternehmens schrittweise, gleichermaßen regelkonform sowie wertschaffend auszugestalten – gezielt auf das Geschäftsmodell ausgerichtet, …

  • … mit einer „doppelten Wesentlichkeitsanalyse“ gemäß CSRD zur Identifikation wesentlicher Nachhaltigkeitsaspekte,
  • mit einem ggf. nachhaltigeren Produktportfolio, welches die Position im Wettbewerb stärkt,
  • mit Nachhaltigkeit als Teil des geschäftsspezifischen Risiko- und Datenmanagements,
  • mit dem Personalressort als Change Agent für nachhaltig ausgerichtetes Führung und Personalmanagement sowie dem Aufbau ggf. erforderlichen Wissen bei den Mitarbeitern,
  • mit einer Berichterstattung, die Anforderungen von Kunden und Stakeholdern adressiert, anstatt „Click the Box“-Standards nutzlos abzuarbeiten.

Jetzt die nachhaltige Transformation angehen und mit Nachhaltigkeit Wert schaffen

Was die Transformation zu einem nachhaltig erfolgreichen Unternehmen gelingen lässt, ist somit zusammenfassend die Verbindung aus einer informationsbasierten Nachhaltigkeitsambition und der Umsetzung einer darauf ausgerichteten explizit wertschaffenden Strategie. Ohne all dies bleibt Nachhaltigkeit reines Marketing (Greenwashing) oder lästige „Compliance-Übung“. Dagegen werden Unternehmen mit kluger, ambitions-fokussierter Strategie und hierauf basierenden Initiativen auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig stärken.

Über den Autor

Dr. Wolfram Heger ist TCI-Partner und Nachhaltigkeitsexperte. Vor seiner Beratertätigkeit hat er über viele Jahre das Nachhaltigkeitsmanagement bei der Mercedes-Benz Group AG aufgebaut und verantwortet – maßgeblich in den Bereichen Governance und Gesellschaft.

Quelle Coverbild: © Summit Art Creations | Adobe Stock

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