„In der Digitalisierung von Banken steckt großes Potential“ – Interview mit Nico Pantelmann und Andreas Werner-Scheer

Viele Banken stehen heute vor der Herausforderung, Prozesse und Services zu digitalisieren – mit knappen Ressourcen und strengen Regularien. Wie die Digitalisierung von Banken trotz aller Hindernisse gelingen kann und worauf es dabei ankommt, erklären Andreas Werner-Scheer und Nico Pantelmann, die im zweiten Band zum Enterprise Transformation Cycle (ETC) einen Beitrag zum Thema veröffentlicht haben.

Anmerkung der TCI-Redaktion:  Lesen Sie auch Teil 1 des Interviews – Transformation im Kreditwesen – IT wird für Banken immer wichtiger

„Nur durch Digitalisierung können sich Banken gegenüber FinTechs behaupten“

Beate Greisel (BGR): Wie ist Ihre Einschätzung: An welchem Punkt steht die Digitalisierung von Banken in Deutschland?

Nico Pantelmann (NPA): In der Digitalisierung von Banken steckt großes Potential. Leider steht den Banken hierbei die Regulatorik oft im Weg. Gerade in Deutschland besteht aus meiner Sicht die Gefahr der Überregulierung und dadurch verpasste Möglichkeiten.

Andreas Werner-Scheer (AWS): Fast alle Banken global haben mittlerweile erkannt, dass der Wettbewerb gegen FinTechs und BigTechs nur durch massiven Ausbau der Digitalisierung zu gewinnen ist. Leider haben die Banken dabei große Probleme zum einen die notwendigen Budgets, die stark durch aufsichtsrechtliche Themen gebunden werden, bereit zu stellen, zum anderen lassen die Legacy-Systeme nur schwer die notwendigen architekturellen Veränderungen zu.

BGR: Welche Stellung nimmt die IT-Governance im Hinblick auf Optimierungspotenziale in den Banken ein – in der Theorie und in der Praxis?

AWS: Die IT-Governance ist eine notwendige Voraussetzung, um die immer knapperen Mittel in die richtigen Digitalisierungsprojekte zu lenken. Sie sorgt für die notwendige Transparenz und Steuerungsimpulse.

NPA: Mit einer funktionierenden Governance kann der Spagat zwischen dem, was möglich ist und dem, was „erlaubt“ ist, gelingen beziehungsweise gesteuert werden.

Schnell starten, schnelle Erfolge: So gelingt die Digitalisierung von Banken

BGR: Was sind typische Fehlerquellen bei der Anwendung solcher Prozesse (und bei der Realisierung der Potenziale)?

AWS: Ein typischer Fehler ist, zu viele Prozesse gleichzeitig verbessern zu wollen. Das verkraften die meisten IT-Organisationen nicht. Erfolgversprechender ist es, mit den wichtigsten Prozessen zu starten und Erfolge schnell spürbar zu machen.

Der zweite Fehler sind fehlende Verantwortlichkeiten. Jeder Prozess braucht einen Prozessinhaber, dessen Erfolg auch an der Verbesserung des Prozesses gemessen wird.

Der dritte Fehler ist ein zu ehrgeiziger Ansatz. Eine Bank braucht beispielsweise keinen Reifegrad von 5 im Bereich IT-Qualitätsmanagement. Ein Softwarehersteller schon. Es müssen also für das jeweilige Unternehmen angemessenen Ziele definiert werden.

NPA: Ergänzend würde ich sagen, dass ein Unternehmen kulturell auch so aufgestellt sein muss, dass es sich eingestehen kann, auch mal einen Prozess mit einem geringen Reifegrad zu nutzen und dass niemand angegriffen wird beziehungsweise sich angegriffen fühlt, wenn dieser niedrige Reifegrad festgestellt wird.

BGR: Wie kann der Enterprise Transformation Cycle, kurz: ETC, dabei helfen, diese Herausforderungen anzugehen und nachhaltig Verbesserungen zu erzielen?

AWS: Der ETC bietet ein in der Praxis bewährtes Vorgehen, in einem kontinuierlichen Verbesserungszyklus unter Einbeziehung aller Stakeholder und Betrachtungsdimensionen eine nachhaltige Veränderung zum Positiven zu erreichen.

BGR: Lieber Herr Pantelmann, lieber Herr Werner-Scheer, ich danke Ihnen sehr für dieses interessante Gespräch.

Das Interview mit Nico Pantelmann und Andreas Werner-Scheer führte Beate Greisel für die TCI-Redaktion.

Lesen Sie auch Teil 1 des Interviews Transformation im Kreditwesen – IT wird für Banken immer wichtiger.

„Transformationsvorhaben mit dem Enterprise Transformation Cycle meistern“ – erschienen August 2020

Die Transformation Consulting International begleitet seit vielen Jahren national und international Transformationsprojekte in Unternehmen. Basierend auf diesem umfangreichen Erfahrungsschatz zur praktischen Umsetzung ist nach dem ersten Band „Der Enterprise Transformation Cycle“ der zweite Band mit dem Titel „Transformationsvorhaben mit dem Enterprise Transformation Cycle meistern: Projekte erfolgreich planen, durchführen und abschließen“ im renommierten Springer-Verlag erschienen. Als Weiterführung zum ersten Band berücksichtigt dieser weitere Wünsche und Anregungen von Lesenden und legt konkrete Transformationsprojekte und Handlungssituationen von Expert*innen der TCI in ihrer täglichen Anwendung des ETC dar. Herausgeber des über 500-seitigen Bandes sind Mario A. Pfannstiel und Peter F.-J. Steinhoff. Sie finden darin zahlreiche theoretisch-konzeptionelle Beiträge sowie Fallbeispiele aus der Praxis zum „Enterprise Transformation Cycle“.

(Coverbild: © AndSus | Adobe Stock)

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Andreas Werner-Scheer

Andreas Werner-Scheer

Der engagierte und businessorientierte Berater bringt langjährige Erfahrung im Management von Digitalisierungsprojekten im Banken- und Kreditwesen mit. Durch seine gute Vernetzung in Finanz- und Technologieunternehmen kann er seine Kunden optimal unterstützen.

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