Peter Mandos sammelt mit TCI-Partnernetzwerk PC-Spenden für den Heimunterricht

Seit mehreren Wochen bereits lernen Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland wieder zu Hause vor dem Bildschirm – wenn sie denn einen haben. Denn in den Schulen fehlen zahlreiche Leihgeräte, und das teilweise, obwohl diese längst beantragt wurden. TCI-Partner Peter Mandos sammelte deshalb mit Unterstützung des Partnernetzwerkes PC-Spenden für den Heimunterricht, um das Problem zumindest an der Schriesheimer Realschule kurzfristig und unbürokratisch zu lösen. Über seine Erfolge und Learnings aus der Aktion berichtet er im Interview.

„Ich habe einfach getan, was dran ist“

Katja Heumader: Herr Mandos, man könnte doch denken, im Jahr 2021 hat jeder Haushalt ein Endgerät, an dem Schülerinnen und Schüler lernen können. Oder dass zumindest über die Sommermonate seitens der Schulen ausreichend Leihgeräte beschafft wurden. Die Realität sieht aber wohl anders aus, oder?

Peter Mandos: Nun ja, dass es nicht so ist, kann man ja seit einiger Zeit in der Zeitung lesen. Von der Digitalisierungsoffensive ist offensichtlich noch nicht viel angekommen, was übrigens nicht unbedingt daran liegt, dass die Schulen nichts abrufen. In meinem Fall wartet die Schule seit Monaten auf bestellte Endgeräte.

KH: Eigentlich wäre das ja Aufgabe des Kultusministeriums gewesen, oder? Muss erst eine Unternehmensberatung wie die TCI kommen, damit Schülerinnen und Schüler mit Laptops und PCs ausgestattet werden?

PM: Die Antwort lautet natürlich Ja. Allerdings hat Aufgabe und Aufgeben einen Klang. Ich denke es gibt ein Bündel von Themen im Hintergrund zwischen Netzausbau, Lehrerfortbildung, Verwaltungsprozessen, Datensicherheit und Verschlafenheit. Aber in dieses Spannungsfeld habe ich mich nicht begeben. Ich habe einfach getan was dran ist, und es war eine „Abkürzung“ zur Beschaffung von Endgeräten erkennbar, die wir auch erst einmal testen mussten. Unsere These, dass massenweise noch brauchbare ausgemusterte Endgeräte schlummern, musste erst einmal bewiesen werden.

Bereits 80 PC-Spenden für Heimunterricht mobilisiert

KH: Wie sind Sie eigentlich darauf aufmerksam geworden, dass Endgeräte für den Heimunterricht fehlen? Wie groß ist der Bedarf?

PM: Schuld ist mein Bandoneonlehrer aus Heidelberg. Er ist hauptberuflich Musiklehrer und Medienbeauftragter in der Schriesheimer Realschule. Er hat mir sein Leid geklagt und ich habe mit einer Idee geantwortet. Er ist auch außerordentlich engagiert, und das war ein wichtiger Erfolgsfaktor. Er musste ja die Geräte dann für die Schüler einrichten.

KH: Und wie viele Endgeräte konnte die TCI bislang durch Spenden organisieren?

PM: Der aktuelle Stand sind über 80 Endgeräte, die nach der „Intitial-Initiative“ der TCI durch ein allmählich entstehendes Konsortium von Willigen mobilisiert worden sind.

KH: Dieser Erfolg Ihrer Initiative ist auf eine Kommunikationskampagne der TCI zurückzuführen. Wie sah diese konkret aus?

PM: Nun ja, TCI hat ja bekannterweise ein paar hundert Partner, und diese haben eben eine hohe IT-Affinität. Über das Partnernetzwerk konnten wir daher einige Ressourcen mobilisieren. Den richtigen Schub gab es nach einer Presseveröffentlichung in der Regionalpresse Rhein Neckar Zeitung. Das brachte dann in einer Woche über 40 Endgeräte. In der Zeit davor haben wir viel lernen müssen.

Peter Mandos mit den gespendeten Endgeraeten für den Heimunterricht
Peter Mandos mit den gespendeten PCs für das Homeschooling. (Bild: © Peter Mandos / Norbert Kotzan)

PC-Spenden für Heimunterricht: Datenschutz ist eine große Hürde

KH: Was muss man aus organisatorischer Sicht beachten, wenn man ein solches Projekt anschieben will? Welche Learnings haben Sie aus der Aktion gezogen?

PM: Ein großes Hemmnis ist die Frage der Spender: „Was passiert mit meinen Daten?“ Es möchte keiner riskieren, dass damit Unfug passiert, und die Software zum Rekonstruieren von Festplatteninhalten kann man mittlerweile kostenlos downloaden. Da waren wir wirklich gefordert.

Man benötigt schon profundes Wissen, wie man im Zweifelsfall auf BIOS-Ebene mit radikalen „Wipern“, zum Beispiel Boot and Nuke (wird wohl auch von der NSA verwendet) den Rechner komplett nackt und platt macht und das dann auch noch nachvollziehbar dokumentiert. Das mussten wir lernen, und ich selbst bin dankbar für die tollen Unterstützer in der TCI und bei spendenden Firmen.

Man muss auch akzeptieren, dass da ganz schön Zeit draufgeht. Aber es hat sich gelohnt.

KH: Mit der Beschaffung von Spenden ist es nicht getan – das Stichwort Datenschutz haben Sie eben bereits angesprochen.

PM: Neben der Gewährleistung des Datenschutzes ist es auch immens wichtig, den potenziellen Spendern im Vorfeld zu signalisieren, dass das Thema hohe Priorität hat. Man muss die allgemeine Unsicherheit der Entscheider, ob oder ob nicht sie ein Gerät abgeben, aus dem Weg räumen. Ich stelle mir zum Beispiel vor, dass das BSI (Bundesamt für Sicherheits- und Informationstechnik) mit den Landesdatenschutzbeauftragten, vielleicht mit der Unterstützung des Computer Chaos Club, Verfahren, Techniken und Standards zum Datenschutz bei gebrauchten Endgeräten erarbeiten, verabschieden und zertifizieren könnte. Eine Art Qualitätssiegel, das dann allgemein als sicher anerkannt wird. Das wäre ein Segen. Ich habe mit dem Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg genau diese Diskussion geführt. Wenn man unsicher ist und dann gegebenenfalls ins Risiko für einen Datenklau an der Uni kommt, lässt man es lieber bleiben und verschrottet die Geräte. Dann waren sie eben defekt ….

Digitale Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer

KH: Die digitale Ausstattung der Schulen ist ja immer wieder – und aktuell durch Corona ganz besonders – ein Thema. Wie könnte die Erfahrung der TCI hier weiter unterstützen?

PM: Neben der unbürokratischen Beschaffung von Endgeräten über den eingeschlagenen Weg gibt es einen immensen Weiterbildungsbedarf. Da geht es zum einen um die Basics der PC- und Internet Nutzung. Zum anderen braucht diese aktuelle Situation mit der Mischung aus Präsenz- und Heimunterricht auch didaktische und pädagogische Konzepte und Techniken, die Partner von uns bereits seit Jahren für Online-Fortbildungen entwickelt haben und betreiben. Da sehe ich ein großes Feld.

KH: Was motiviert die TCI dazu, so viele Arbeitsstunden in ein solches Projekt zu investieren?

PM: Man kann seine Zeit auch schlechter verbringen, als das zu tun, was dran ist. Abgesehen davon sehe ich das als einen schönen Erfolg an, und das macht Spaß. 10 Prozent von 500 Schülern der Schule sind bzw. waren bedürftig. Das war unsere Zielgruppe. Über 80 Units sind geschafft, und wir überlegen, an welche Schule wir bald Rechner abgeben können.

Das Interview mit Peter Mandos führte Dr. Katja Heumader für die TCI-Redaktion.

Quelle Coverbild: © Gorodenkoff | Adobe Stock

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Peter Mandos ist seit deren Gründung Partner der TCI. Als Design-Thinking Experte entwickelt er neue Konzepte mit lateralen Denkmodellen. Er verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Vertrieb und im Projektmanagement.

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